... eine Autorin die das Herz berührt
Christina Wagner

Bücher

Julian und das Ende der Nacht

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Eigentlich beginnt die Sache ganz harmlos. Sara, die seit ihrem 20. Lebensjahr nicht gealtert ist und daher keinen gesellschaftlichen Umgang mehr pflegt, schenkt sich zu ihrem 42. Geburtstag anlässlich einer Ausstellungseröffnung einen Museumsbesuch.

Was ist schon dabei?
Dort entdeckt sie das uralte Porträt eines Mannes, jenes Mannes, den sie in ihren Träumen immer herbeigesehnt hat. Sara kauft das Bild und nimmt es noch am gleichen Abend stolz und gut gelaunt mit nach Haus.
Was ist schon dabei?
Doch dann überstürzen sich plötzlich die Ereignisse. Kurz vor ihrer Wohnung setzt ihr jemand das Messer an die Kehle, der sich von ihrem Blut eine leckere Mahlzeit verspricht. Doch aus dem erhofften Schmaus wird nichts, weil ihn dessen Verfolger gerade noch von seinem grausigen Vorhaben abhalten und verjagen.
Und - weil sich noch ein anderer mit für ihn selbst unerklärlichen Gefühlen um die schwer verletzte Sara kümmert, ihr das Leben rettet, nämlich Julian, der Mann auf dem Ölgemälde, dem man vor 500 Jahren genau dieses Porträt gestohlen hat…
Von einem Moment zum anderen wird Sara Teil einer geheimnisvollen, dunklen Welt, die von den skrupellosen Söhnen der Nacht beherrscht wird, die ihre Unsterblichkeit mit dem Blut auserwählter Opfer sichern, aber auch von ihren Jägern, die mit einem Energieball alle Spuren ihrer Gegner vernichten..
Und dann sind da noch jene, die zwischen diesen Lagern umherirren und ihren Platz einfach nicht finden können.
Einer von ihnen ist Julian.

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Kapitel 1
Fragend schaute Sara in den Spiegel und betrachtete ihr makelloses Gesicht. Heute war ihr zweiundvierzigster Geburtstag, doch die Frau, die sie im Badezimmerspiegel ansah, sah nicht älter aus als zwanzig. Die Zeit war vor zweiundzwanzig Jahren einfach stehen geblieben. Seit zweiundzwanzig Jahren war Sara erstarrt, jeder Tag, jede Stunde war gleich. Saras Herz schlug, sie atmete, sie fühlte, sie lebte, doch die Zeit berührte sie nicht. In Saras Leben gab es keine Menschen, die fragten, was das Geheimnis ihrer ewigen Jugend war. Alle waren längst gegangen. Die Zeit hatte sie mitgenommen, hatte ihnen Kinder geschenkt, Enkel und Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Sara war allein, es gab nichts, das sie vorantrieb, Veränderungen herbeiführte, die Zeit war eingefroren. Sara lebte hinter einer unsichtbaren Mauer aus Stillstand und Beständigkeit. Dieses Schicksal ertrug sie allein. Es gab niemals Männer, die den Weg in Saras Herz fanden. In Sara lebte das Gefühl, eine Fremde unter Menschen zu sein. Nichts verband sie mit ihnen. Sara war eine Außenstehende, die eifersüchtig betrachtete, dass immer andere bekamen, was sie sich wünschte. Einen Mann, der sie küsste, wenn er heimkam, ein Kind, das sie Mutter nannte. Doch ihre Sehnsüchte blieben Träume, Sara gehörte zu niemandem. Sara war zu jung für die, deren Falten verrieten, was das Leben für sie bereitgehalten hatte und sie war zu alt für jene, die mit Recht das Gesicht der Jugend besaßen.

Ein kurzer Schmerz durchfuhr Saras Herz. Tränen traten in ihre Augen, wieder wurde ihr bewusst, wie jedes Jahr am vierten Juli, die Welt brauchte sie nicht. Sara hatte der Welt nichts zu geben und das Leben gab auch ihr nichts. Sara lachte bitter und wandte sich vom Spiegel ab. Sie hatte sich zu Geburtstag einen Museumsbesuch geschenkt. Sara konnte es kaum erwarten, den wertvollen Porträts, die eine neue Künstlerin um zwanzig Uhr ausstellte, ins Gesicht zu sehen, und das ihre zu vergessen.

 

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Mecklenburger Buchverlag